Celebrating shared stories: Berliner Feuerwehr

Ein Gespräch mit Prof. Dr. Karsten Homrighausen, Landesbranddirektor der Berliner Feuerwehr

Die meisten Passagier:innen bekommen die Arbeit, die ihre Reise so reibungslos macht, nie mit. Sie sehen weder die Abläufe noch das Training, die Präventionsmaßnahmen oder die unzähligen Entscheidungen, die lange vor dem Start eines Flugzeugs getroffen werden. Und genau darum geht es. Im Gespräch mit Prof. Dr. Karsten Homrighausen zeigt sich die Berliner Feuerwehr als stille, aber unverzichtbare Kraft im großen System des Flugverkehrs: ein Partner, der von Verantwortungsbewusstsein geprägt ist, auf operativer Exzellenz basiert und der Überzeugung ist, dass Freiheit ohne die Unterstützung eines Sicherheitssystems wenig bedeutet.

Gegründet: 1851

Hauptsitz: Berlin, Deutschland

Produkte: Brandbekämpfung, technische Hilfe, Rettungsdienst und Brandschutz

Landesbranddirektor: Prof. Dr. Karsten Homrighausen

Mitarbeiter:innen: über 5.600

Unsere Partnerschaft: Partner vom ersten Tag an – seit der ersten Lufthansa und ihrem Erstflug von Berlin-Tempelhof im Jahr 1926.

Website: berliner-feuerwehr.deThe link will be opened in a new browser tab

Eine gemeinsame Geschichte über der Stadt

Für Prof. Dr. Homrighausen reicht die Geschichte der Berliner Feuerwehr und der ersten Lufthansa bis zum 6. April 1926 zurück – dem Tag des Erstflugs der Lufthansa, der vom Berliner Flughafen Tempelhof startete. In einer Zeit, in der Fliegen noch eher zum Bereich des Möglichen als zur Routine gehörte, stand dieser Abflug für weit mehr als nur eine Route auf einer Landkarte. Er stand für Bewegung, Mut und den Glauben an das, was kommt. Die Route, die er mit beiden Institutionen verbindet, ist, wie er es ausdrückt, „die Route vom Hier und Jetzt in die Zukunft – im Namen aller Feuerwehren und Rettungsdienste.“

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1860: Branddirektor Scabell mit seinen Offizieren und pferdegezogene Feuerwehrspritzen

Es ist eine poetische Antwort, aber auch eine präzise. Sowohl die Berliner Feuerwehr als auch Lufthansa sind gemeinsam mit der Stadt Berlin gewachsen – manchmal inmitten außergewöhnlicher historischer Momente. Für Prof. Dr. Homrighausen sticht einer davon besonders hervor. „Abgesehen von der Aufnahme des Flugbetriebs der Airline ab Berlin war der denkwürdigste Moment für unsere Stadt – und damit auch für die Berliner Feuerwehr – der 2. Oktober 1990, als Lufthansa als erste deutsche Fluggesellschaft nach dem Ende des Kalten Krieges wieder in Berlin landen durfte“, sagt er. „Der Luftraum über Berlin war durch die Berliner Luftbrücke zu einem besonderen Symbol der geteilten Stadt geworden. Dementsprechend markierte seine Öffnung die Wiedervereinigung, die am folgenden Tag offiziell vollzogen wurde, auf ebenso symbolische Weise. Und dies war nicht nur ein historisches Ereignis für Berlin, Deutschland und die Welt – es leitete auch eine Art Neuanfang für die Berliner Feuerwehr ein, die ebenfalls in Ost und West geteilt gewesen war.“

„Unser gemeinsamer Weg führt vom Hier und Jetzt in die Zukunft!“
Prof. Dr. Karsten Homrighausen

Die Sicherheit, die man nicht sieht

Als der Flugverkehr in Berlin Einzug hielt, musste die Feuerwehr ihre gesamte Herangehensweise überdenken. Ein neues Massenverkehrsmittel, das mit brennbaren Stoffen betrieben wurde, erforderte neue Vorgehensweisen, neue Abläufe und neue Ausbildungsformen – eine Arbeit, die nie aufhörte. Dabei wurde auch etwas viel Grundlegenderes als bloße Kompetenz geschärft: ein gemeinsames Verständnis dafür, was es bedeutet, in einem Umfeld zu arbeiten, in dem es keinen Spielraum für Fehler gibt.

1908: elektromobiler Löschzug der Feuerwache Schöneberg
1925: der König’sche Rauchschutzhelm

Auf die Frage, wie er die Partnerschaft in drei Worten zusammenfassen würde, zögert Prof. Dr. Homrighausen nicht: „Sicherheit – denn sie hat sowohl für Lufthansa als auch für die Berliner Feuerwehr oberste Priorität. Fortschritt – denn beide Organisationen sind offen für Forschung und Innovation. Erfahrung – denn beide Organisationen blicken auf eine lange Geschichte zurück, und wir profitieren bis heute von den Ereignissen und Erkenntnissen dieser Geschichte.“

Das hat auch eine persönliche Seite. „Dieses Gefühl der Freiheit, das entsteht, wenn ein Flugzeug vom Boden abhebt, hat etwas ganz Besonderes an sich“, sagt er. „Diese Freiheit hat in diesem Land und besonders in dieser Stadt historische Bedeutung – und dazu gehört auch die Freiheit zu reisen.“ In der Luft schützt die Fluggesellschaft ihre Passagiere durch Qualitätsmanagement, Checklisten und disziplinierte Betriebsabläufe. „Am Boden tun wir als Feuerwehrleute dasselbe für die Menschen in unserer Stadt“, sagt er. „Und wenn doch einmal etwas passiert, kümmern wir uns darum und sorgen für die Menschen.“

Mit Blick auf die Zukunft stehen beide Branchen vor echten Herausforderungen – vor allem dem Klimawandel, der Umstellung auf nachhaltige Treibstoffe und der Cybersicherheit. Doch für Prof. Dr. Homrighausen sind dies auch Chancen. Sowohl Lufthansa als auch die Berliner Feuerwehr feiern in diesem Jahr große Jubiläen – 100 bzw. 175 Jahre – und diese gemeinsame Geschichte schärft nur noch den Ehrgeiz für das, was als Nächstes kommt. „Als führende Organisationen in unseren jeweiligen Branchen sind wir nicht nur bestrebt, den Status quo zu erhalten, sondern auch, uns für die Zukunft zu positionieren. Das nächste Ziel ist es, die Herausforderungen der Gegenwart anzunehmen und sie in Chancen für die Zukunft zu verwandeln. So stellen wir sicher, dass unsere Organisationen weiterhin für das stehen, wofür sie bekannt sind: Qualität, Zuverlässigkeit und Sicherheit.“

1990: Feuerwehrleute und Löschfahrzeuge aus West- und Ostberlin

Zum Schluss noch zwei Fragen

Prof. Dr. Homrighausen, Ihre Rolle ist geprägt von Verantwortung und Vertrauen. Könnten Sie uns von einer persönlichen Erfahrung berichten, bei der die reibungslose Zusammenarbeit zwischen Ihrem und unserem Team entscheidend für die Sicherheit aller war?

„Eine Entscheidung, die zum Wohlbefinden und zur Sicherheit der Mehrheit der Berliner Bevölkerung beigetragen hat, war die endgültige Schließung des Flughafens Tegel (TXL) – so historisch bedeutsam er auch war – für den zivilen Flugverkehr. Wenn ein System an seine Grenzen stößt, ist es ratsam, es anzupassen und gegebenenfalls auf eine völlig neue Lösung umzusteigen. Die Bereitschaft zur Veränderung sowie die Fähigkeit, Entwicklungspotenziale zu erkennen und zu nutzen, sind entscheidend für den Erfolg komplexer Systeme.

Die Schließung von TXL hat solche Entwicklungspotenziale nicht nur für Lufthansa, sondern auch für die Berliner Feuerwehr eröffnet, denn an diesem Standort soll in naher Zukunft die neue Akademie der Berliner Feuerwehr entstehen. Wo früher Flugzeuge von Lufthansa starteten, landeten und gewartet wurden, werden dann junge Feuerwehrleute ausgebildet, um die Sicherheit der Berlinerinnen und Berliner zu gewährleisten.“

Prof. Dr. Karsten Homrighausen

Den meisten Passagieren ist gar nicht bewusst, welche Vorbereitungen getroffen werden, um ihre Sicherheit zu gewährleisten. Warum ist diese weitgehend „unsichtbare“ Zusammenarbeit so entscheidend für das Sicherheitsgefühl, das es den Menschen ermöglicht, ihren Flug einfach zu genießen?

„Meiner Meinung nach liegt der Schlüssel dafür im Vertrauen. Die Menschen vertrauen uns, obwohl sie die Details unserer Arbeit kaum wahrnehmen – sei es bei den Maßnahmen zur Brandbekämpfung oder beim Durchgehen der Checkliste vor dem Start. Sie sehen nur das Ergebnis, und in den meisten Fällen ist dieses makellos. Denn als hochzuverlässige Organisationen haben wir uns dazu verpflichtet, unsere Prozesse kontinuierlich zu überprüfen, Fehler klar zu identifizieren und danach zu streben, uns immer noch ein kleines bisschen zu verbessern.

Es ist kein Zufall, dass Feuerwehrleute und Piloten zu den angesehensten Berufen gehören: Es ist allgemein bekannt, dass ihre Arbeit ein hohes Maß an Fachwissen und Präzision erfordert. Gleichzeitig ist die Fehlerquote extrem niedrig – und das schafft Vertrauen.“

Wir möchten uns bei Prof. Dr. Karsten Homrighausen für dieses inspirierende Gespräch und die interessanten Einblicke bedanken!